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Inspirationen

Inspirationen zum Thema Nest: 

  1. Ein von Würmern zerfressener Ast 
  2. Die Fadenwindungen einer Garnspule 
  3. Schichten, die in einem Glas entstehen, wenn eine dunkle Flüssigkeit verdunstet
  4. sortierte Wachteleier 
  5. Perlenformen

 

 

 

Transparenz - schwarz/weiß - Künstlichkeit/Natürlichkeit 

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Jetzt wird es philosophisch

Kunst und Humor – Schließt sich das kategorisch aus?

Wenn man einmal selbst im Kunstbetrieb war und einigen Künstlern begegnet ist und vielleicht noch mit ihnen gesprochen hat, denkt man etwas anders über die heutige Kunst und die, die  uns als Geschichte überliefert ist. Manchmal kommt es mir so vor, dass man in ein Museum geht, Beuys Fettecke samt Stuhl sieht und ernsthaft dabei sein soll. Keiner traut sich auch einmal ein wenig amüsiert zu sein. Dass es Beuys mit seinen Aussagen wahrscheinlich dennoch sehr ernst war, soll hier mal dahingestellt bleiben. Dennoch kann ich über einige zeitgenössische Aussagen lachen. Vor einigen Jahren einmal habe ich einen Vortrag über die Arbeiten des Schweizer Künstlerduos Andres Lutz und Anders Guggisberg gesehen, ich kann mich erinnern, dass einige Studenten nach dem Vortrag recht aufgebracht darüber waren, warum ihre Kunst humorvoll sei, Kunst müsse ernst sein! Heute erscheint über meinem Kopf, wenn ich darüber nachdenke, ein großes Fragezeichen. Komischerweise hatten diese beiden Künstler es in ihrem Vortrag geschafft, dass eine Gruppe von Studenten zuvor herzhaft lachen durfte! Ich schlage deshalb jedem vor, der den nächsten Museumsbesuch fest eingeplant hat – sehen Sie hinter eine ernsthafte Fassade und wagen Sie es auch mal

über ein Kunstwerk zu lachen oder wenigstens zu grinsen. Kunst war schon viel zu lange zu ernst!

Kaukunst plädiert deswegen für mehr Schwachsinn und Mundwinkelheben in der neuen Kunst. Kaukunst möchte gefällig sein – ja sogar schmecken! Lassen Sie eine Welt der Eat-Art hinter sich, die nur versuchte Ekel und Gestank zu erzeugen oder sich nur mit dem Ungewöhnlichsten zufrieden gab. Das hat es alles schon gegeben! Verleibe dir Kunst ein – sei zufrieden!  Kürzer kann ein Manifest nicht sein.

Leonardos Weisheit 2Und nun zu etwas vollkommen anderem …

Kaukunst präsentiert ein neues, aufregendes Dessert: Schwarzes Tiramisu ! (Werktitel! )

Leonardo SchreiZitat Mr. B: „Eine Art Milchschnitte für Erwachsene“, Bilder können hier kaum folgen, da ich dieses Dessert zum ersten Mal gemacht habe! Mein blaues Buch gibt folgende Angaben für das Rezept:

Für die Löffelbiskuit:

60g Röstgerste (über einen Brauladen)

1 Tasse Wasser

1 Eßl. Kakao

1 Tl. australische Akaziensamen (wattle seeds)

30g und 30g Speisestärke und Mehl

6 Eigelb

130 g Zucker

Die Eier mit Gewürzen und Zucker aufschlagen, Mehl und die anderen Zutaten unterheben und die geschlagenen Eiweiße aus den 6 Eiern unterziehen. Zuvor die Röstgerste durch eine Getreidemühle zu einem feinen braunschwarzem Mehl mahlen. Das riecht sehr gut nach Kaffee. Röstgerste befindet sich auch im Stout, was es ein wenig schokoladig macht. Die australischen wattle seeds haben Duftnoten von Nuss, Schokolade und Kaffee, wer sie nicht bekommt, kann sie einfach weglassen.

Desweiteren wird die Masse in einen Spritzbeutel gegeben und zu kleinen Knochen gespritzt. Sie werden bei 200°C gebacken, bis zu sehr gut duften (nach schwarzem Kaffee nämlich) und hart sind. Inzwischen verrührt man einen Becher Mascarpone mit Zucker (nach Geschmack, jeder soll es so süß machen, wie er möchte, ich mag es in diesem Fall recht herb), Zitronensaft und -zeste, Vanillemark und Amaretto mischen. Wenn die Masse noch zu dick ist, einfach ein wenig mit Milch verdünnen, der Mascarpone ist fett genug. Die Löffelbiskuit werden mit starken Kakao und Amaretto getränkt, mit der Creme geschichtet und schließlich mit Kakaopulver bestreut. Das ganze sollte gut im Kühlschrank durchziehen, bevor man es ansticht.

neu schwarz T

Ich weiß noch nicht, ob man das Rezept auch noch variieren kann. Wahrscheinlich wäre eine Frucht eine gute Ergänzung, aber ich weiß noch nicht welche. Obst, das sich gut mit Kaffee ergänzen könnte, kommt mir noch nicht in den Sinn. Die Zitrusnoten der Creme haben sich jedenfalls perfekt ergänzt, allerdings kann ich mir nicht vorstellen Orangenfilets hinzufügen, da Säure hier nicht gut tun würde. Ich könnte mir Cassis, Brombeeren oder sogar sehr aromatische Erdbeeren vorstellen.

P.S.: Man sieht, dass ich wieder mal mit Photoshop rumexperimentiert habe … auweia!

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Über den Perfektionismus?

Der hemmende Perfektionismus ist eine widerliche und sehr anstrengende Krankheit. Er veranlasst, dass der Mensch trotz Ehrgeiz, träge, unausgegoren und müde wird. Leider hilft kein Mittel der Welt ihn aufzuhalten, oder etwa doch?

Einmal von ihm betroffen, ist es schwer sich von ihm zu lösen – die einzige Möglichkeit ist es, ihn kurz auszuschalten und sich klar zu machen, was man will.

Kochen ist für mich eine sehr entspannende Beschäftigung, im Alltag bleibt da nicht immer Zeit für Perfektionismus, da muss es gut, schnell und einfach sein. Das heißt natürlich nicht, dass diese Rezepte nicht die gleiche Berechtigung wie andere haben, die erheblich kreativer, ästhetischer und zeitraubender sind. Sie kennzeichnet meistens ein Geschmack, der begleitet ist von einem warmen, liebenden Gefühl.

Oftmals gibt es Tage, an denen möchte ich unzählige Rezepte ausprobieren und weiß am Ende nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Wie werde ich präsentieren, was für Gemüse kommt rein, usw. Auf die gleiche Art und Weise geht es mir mit dem Zeichnen. Und am Ende bleibt man doch bei einem weißen Papier oder ein paar Strichen – Schade.

Einfacher ist deswegen mich in eine Ordnung zu zwängen, die es mir erleichtern soll, meine Ideen zu sortieren und zu katalysieren. Dieser Blog sollte einer dieser Orte dafür sein. Im nicht virtuellen Leben ist es mein kleines blaues Buch, das mittlerweile überquillt und hoffentlich bald ersetzt wird durch ein weiteres blaues Buch. In ihm bewahre ich ausgeschnittene Zeitschriftartikel, klebe Fotos und gepresstes ein, mache kleine Collagen, fertige Skizzen und das alles ohne jeglichen Perfektionismus, egal, wie die Schrift aussieht, egal, was es ist. Manchmal mit Datum versehen, manchmal ohne. Es macht Spaß in diesem Chaos zu lesen und sich wieder neue Bemerkungen an die Seite, am unteren Blattrand oder einfach mittendrin zu machen. Gerade wegen dem fehlenden Perfektionismus habe ich in diesem Buch bis jetzt immer mein größtes „Kunstwerk“ gesehen, denn in ihm schlummern Prototypen und Dinge, die noch gar nicht realisiert wurden, weil sie zu aufwendig oder gar nicht umzusetzen sind.

Daher ist die Vorstellung, hier ab und zu Artikel zu erweitern und zu verbessern, eine sehr reizvolle. Außerdem kann der Leser so auch noch einmal die verschiedenen Artikel auf Neuerungen durchforsten. Um jetzt endlich mal sowas wie eine Ordnung in mein Kopfchaos zu bringen, bot der Film Julie&Julia mit eine interessante Idee (im übrigen ist der Film etwas für alle, die gerne kochen, lachen und vielleicht auch mal einen Blog schreiben wollen). Ich mache mir eine To-do-Liste und versuche sie bis Ende 2011 abzuarbeiten:

– Einen lebendigen Hummer in Frankreich kaufen und ihn zubereiten

– Einen eigenen Cocktail kreieren

– Ein Dessert erfinden, in dem etwas geräuchert wird (wird das wirklich schmecken?)

– Ein süßes Sushi zubereiten (d.h. ein Dessert machen, das wie Sushi aussieht)

– Mehr über die Ästhetik der japanischen Küche herausfinden.

– Ein Drei-Gänge-Menü kochen.

Es müsste zu schaffen sein! Ich werde euch auf dem laufenden halten.

Nachtrag 2015: Den letzten Satz müsste ich eigentlich wieder sofort aus dem Beitrag entfernen, immerhin habe ich wenige dieser Punkte wirklich erfüllt. Zum ersten der Hummer: Ja, einen lebendigen Flusskrebs ins kochende Wasser schmeißen, wird sicher nicht als Hummer zählen. Außerdem sind sicher einige Leser bei dem Gedanken schon ein wenig angeekelt. Den Flusskrebs musste ich sogar vorher mit einer frischen Zahnbürste reinigen, da er ein wenig modrig und schlammig war. Der Kleine zappelte und nach dem Kochen landete er in meinem Magen: Danke, kleiner Flusskrebs, dass ich dich essen durfte – es musste dann zum Glück auch kein anderer deiner Artgenossen in meinem Kochtopf landen.

Punkt 2 : Einen eigenen Cocktail kreieren – überlasse ich wohl doch besser den Profis, aber immerhin war ich tatsächlich schon etwas einfallsreich. Besonders das hantieren mit fruchtigen Sorbets und Granités hat es mir in diesem Zusammenhang angetan, z.B. schmeckt Cherimoya als Eis vorzüglich in einem fruchtigen Cocktail oder ein Grapefruitgranité, das ich mir auch gut als Grundlage für einen Eistee vorstellen könnte.

Punkt 3: Ist für mich immer noch der reizvollste, ich habe sogar schon eine gewisse Idee mit angeflämmten Vanilleschoten zu experimentieren oder mit einem sehr rauchigen Whiskey in einem Schokoladentrüffel, hm….

Punkt 4: Ist  theoretisch in meinem Kopf voll durchdacht, nur noch nie auf einem Teller verewigt worden. Der Künstler übt sich eben in Geduld.

Punkt 5 : Ich stelle immer wieder fest, dass es schwierig ist etwas über eine andere Kultur zu erfahren, wenn man noch nie diese Kultur betreten hat. Es gibt hier eben viele Anknüpfspunkte zum Thema Kochen als Kunstform, die mich brennend interessieren würden.

Punkt 6 jedoch habe ich schon öfters wiederholt. Gerne auch mit Freunden und Familie. Am liebsten mache ich jedoch die Vorspeisen und Desserts. Vielleicht sollte ich mir vornehmen ein 5- Gänge Menü zu kochen. Wäre das machbar?

Bleiben Sie dran , Fortsetzung folgt …

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Kochkunstgeschichte Teil 2 : Antike Genüsse

Wenn wir morgen ein lukullisches – dekadent, völlend, erotisch – „Gelehrten“ Mahl abhalten wollten, wie lang wäre wohl unsere antike Einkaufsliste geworden? Man würde riesige Platten benötigen, um ein trojanisches Schwein zu servieren, gefüllt mit Würsten und anderen „Leckereien“, einen Brunnen, aus dem Wein fließen soll – die Gelehrten werden darüber philosophieren, von welchen Hängen und welchem Lande dieser denn stamme, eine große Menge Safran zum Färben der Speisen, ausgestorbene Kräuter wie z.B. Silphium (verwandt mit der Asafoetida) und natürlich nicht zu vergessen das antike „Maggi“ : Garum !

Garum – die einen nennen es Sünde oder „eine kostspielige Jauche aus verdorbenen Fisch (Seneca)“, andere würden es Potzblitzsauce nennen (auch, wenn diese Würzsauce freilich keinen Fisch enthält!). Wenn ich hier über Garum schreiben wollte, dann müsste ich auch über Glutamat, Sojasauce, Brühwürfel und umami schreiben, deswegen werde ich mich hier nur auf folgendes beschränken: ihre Herstellung war keine schöne Angelegenheit. Tagelang wurden Fische in engen Tümpeln, bzw. Erdlöchern (Anchovies und was noch so alles im Meer zu finden war) verrotten gelassen, bis man eine gelbgoldene, bernsteinfarbene Sauce gewann. Wer wissen will, wie Garum geschmeckt haben könnte, soll sich eine Fischsauce aus dem Asiamarkt kaufen und testen. Es duftet wie ein gut gereifter Käse, es schmeckt würzig, salzig, nicht zu käsig und verleiht einem Curry einen unbeschreiblichen, warmen, ja fast schon „organischen“ Geschmack – ich finde einfach keinen besseren Ausdruck. Es ist das, was das Curry erst abrundet. Das liegt wahrscheinlich am hohen natürlichen Glutamatgehalt und seiner Anchoviewürzigkeit. Diese kleinen Fische werden gerne als Würzmittel.  Mehr werde ich nicht über diese Sauce schreiben, der geneigte Leser wird auf einen weiteren Artikel mit dem Titel: Würzsaucen warten müssen.

Die Römer hatten also nicht nur das Laster des Geschmacksverstärkers für sich entdeckt, sondern auch das Laster des schnellen Essens. „Ich warte schon darauf, dass ihnen Vorgekautes serviert wird, “ schimpft Seneca weiter. Man aß in Garküchen eine Focaccia oder einen puls, einen nahrhaften Getreidebrei, von dem man lange zehren konnte.

Man aß, wenn man es sich leisten konnte, im Liegen, einen ganzen Abend lang, man traf sich in der Therme und aß dort weiter. Es ist kaum verwunderlich, dass man heute noch ein dekadentes Bild der reichen Bürger Roms im Kopf hat, nicht zuletzt, wenn man das Cena Trimalchionis gelesen hat.

Während die Stoiker der Enthaltsamkeit frönten, um sich dem wichtigen, dem Denken und Philosophieren und dem Glück zu widmen, labten die Epikurer in diesseitiger Lustmaximierung. Das „Carpe Diem“ wurde von manch einem so verstanden, eine dionysische Orgie abzuhalten. Aber ich will hier natürlich kein falsches Bild erzeugen, da waren noch die Bauern, die einfache Speisen aus Getreide und Gemüse aßen, oder die Soldaten, die sich meistens nur von Brei ernährt haben, weil sie auf Märschen nichts anderes hatten.

Man hatte kleine Altäre in der Nähe des Herdes, dort hinein wurden Tonfigurinen gestellt. Die Laren und Penaten waren Hausgottheiten, denen kleine Opferspeisen gegeben wurde. Wenn die Familie aß, durften die Götter auch ein wenig mit essen. Extra für sie wurden kleine Opferhonigkuchen gebacken, die mit Safran goldgelb gefärbt wurden.

Der römische Kochkünstler Apicius erfand ungewöhnliche Speisen, sogar Käsekuchen soll nach ihm benannt sein. Einen kleinen Einblick in die Welt seiner Rezepte wird folgen. In diesem Sinne: Carpe diem! Fortsetzung folgt.

P.S: Dieser Artikel entstand, als mein Mann das vollkommen langweilige EM Qualifikationsrückspiel Deutschland vs. Österreich auf Schalke anschaute.

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Davor, dazwischen, danach

Anlässlich des Geburtstages meines Mannes, wollte ich mal wieder eine etwas aufwendigere Kochsession veranstalten. Er wünschte sich Klassiker wie Bayerische Creme, Herzöginnenkartoffeln und ein kurz gebratenes Steak.

Der erste Gang war eher ein Appetizer, denn eine richtige Vorspeise. Vorspeisen werden öfters mal in Tassen serviert und Cappuccino vom ….. genannt. Auch Cocktail ist eine Bezeichnung für Vorspeisen mit würzigen Soßen und Krustentieren, zum Thema Cocktail wird es jedoch auch noch einmal einen eigenen Artikel geben, vielleicht kann ich ja meinen Mann (wir nennen ihn vielleicht besser ab heute Mr. B. ) zu einem Guestpost überreden.

Der Appetitanreger war ein sehr saisonaler Starter, der aus fein pürierten Petersilienwurzeln in Brühe mit Petersilienkraut bestand (gewürzt mit einer Prise Zucker, Salz, ein Tropfen Zitrone, Pfeffer). Darauf kam ein Klecks (ich wollte gerade unsinnigerweise Schlecks schreiben, ein kleiner Schlecks für einen Menschen, ein großer Schlecker für die Menschheit?)  mit Muskatnuss, Salz und Zitronenabrieb gewürzten Schmand. Dort oben auf kamen in Butter goldenbraun gedünstete Championwürfel und ein Zweig Thymian. Dieses Gericht ist sehr herbstlich und würzig, die Idee dahinter war eine Schicht zu machen, die erdig süßlich  mit einem Klecks, der säuerlich würzig ist zu verbinden, darauf die ebenfalls süßlichen, umami Pilze. Zu diesem Gericht hätte sicher ein Geruch von Waldboden gut gepasst oder sehr hochwertige Pilze wie Pfifferlinge, Steinpilze oder krause Glucke (mein absoluter Lieblingspilz, leider kann ich nicht sammeln, allerdings kam ich einmal zu dem Genuss).

Vorspeise

Ich glaube hier handelte es sich um das beste der drei Gerichte, was sehr wahrscheinlich an der Qualität des Fleisches (Irish Angus Ochsenfilet) lag. Bei Filet kann man ja bekanntlich nicht so viel falsch machen, aber dieses war schon im rohen Zustand butterweich (ungelogen!). Mit einem Küchengarn wurde es in Form gebracht, kurz von jeder Seite stark angebraten und dann erst bei 140°C in den Ofen gelegt, ca. 20min. Irgendwann wurden wir aber ungeduldig, deswegen erhöhten wir die Temperatur auf 180°C und garten  10min weiter. Es war durchgängig rosa und nicht mehr roh in der Mitte. Dazu gab es Herzöginnenkartoffeln, reines Kartoffelpüree, das mit Muskatnuß, Salz und Pfeffer und Ei vermischt und anschließend auf ein Backpapier gespritzt und golden gebacken wird. Beim Gemüse handelte es sich um lila und grüne Bohnen, die erst blanchiert und dann mit Butter und Bohnenkraut in einer Pfanne gebraten wurden. Die lila Bohnen aus dem Garten werden nach dem kochen dunkelgrün, hier ein vorher Bild:

Lila Bohnen web
Fleisch Hauptgang web

Die Soße zum Fleisch war eine Whiskeysahnesauce  mit grünem Pfeffer. Dafür hebt man den Bratensatz der Filets auf, brät die Pfefferkörner ganz leicht an, gießt irischen Whiskey (keinen rauchigen! Hier treffen zwei irische Produkte aufeinander ;)) Sahne und einen Schuss Madeira (für die Süße) hinzu und schmeckt das ganze nach Gusto ab. Wir verwenden einen Schuss Worchestersauce, Salz und  keinen weiteren Pfeffer. Das ganze lässt man auf niedriger Flamme einkochen.

Das Dessert war dieses Mahl das Gericht, das mir die meisten Schwierigkeiten bereitet hat. Erstens, da ich zwei Bayerische Cremes machen musste und ich auch bis jetzt nur einmal eine Bayerische Creme in meinem Leben gemacht habe und die zu dünn geworden war. Diese wurde zu fest aus den folgenden Gründen:

1) Es könnte sich um zu viel Gelatine gehandelt haben und

2) Im Rezept war keine Mengenangabe für die geschlagene Sahne angegeben.

Wichtig jedoch: Die Eigrundmasse auf Ei runter kühlen, damit die geschlagene Sahne nicht wieder flüssig wird. Das Ei nicht zu stark erhitzen. Eine Vanilleschote von hervorragender Qualität benutzen und hinterher die verwendeten Schoten abwaschen und für Vanillezucker benutzen (ich habe ein Glas, indem bestimmt 10 solcher ausgeschabten Schoten in Zucker liegen und dieser riecht wahnsinnig!) Nur Dotter verwenden, das schmeckt sehr viel besser. Mehr geschlagene Sahne benutzen, als Milch in der Eigrundmasse ist, ich habe die Hälfte der Milchmenge an Sahne hinzugefügt, das war zu wenig und führte zu einer stichfesten Creme, die man sicher auch toll mit Caramelsauce hätte essen können. Ich würde das eher als Englische Creme oder Eicreme bezeichnen, aber bayerische war es noch nicht. Beim nächsten Versuch werde ich euch ein Rezept liefern.

 

Greyi web
Greyi 2

Zu der Creme gab es Brombeersauce. Ich liebe die Farbe von Brombeeren, dunkelviolett, fast schwarz! Die Brombeeren passten sehr gut zu den Sesambrownies (Blackies? Greyies?). Für diese verwendete ich schwarzes Sesampüree (der Firma Sosa, es gibt aber auch japanische Pasten). Das Rezept basiert auf <a href="http://greencilantro.blogspot.com/2011/04/black-sesame-brownies.html ">dieses</a>, welches zu einer sehr schönen Seite gehört. Ich verwendete jedoch statt den 1/4 Teelöffel Sojasosse eine Prise Salz und habe einen Löffel französischen Karamell dazugegeben, da mein Püree nicht gezuckert war. Die Brownies wurden so schön grau-schwarz. Ich habe auch mal Bilder von schwarzem Sesameis gesehen, das grau war. Das wird wohl meinen To-do-Zettel erweitern. Ich liebe ja das orientalische Halva aus weißem Sesam. Ein Eis daraus habe ich schon einmal gegessen und es kam dem Halva sehr nahe. Ein Halva aus schwarzem Sesam wäre sicher auch sehr interessant, jedoch weiß ich nicht, wie man diese krokantartige Konsistenz hinkriegen soll. Mit Glucosesirup? Oder dem Maltodextrin, das in der molekularen Gastromie verwendet wird ? (Kann mir jemand helfen?)

 

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Im eigenen Nest

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Zur Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema Nest (bzw. "nesting"). 

An den Schwalbennestern (Abb. via Wikimedia)  hat mich die ungewöhnliche Form und das von den Tieren verwendete Material fasziniert. Rundum wird lehmige Masse aufgetragen. Wespen verwenden z.B. eine Mischung aus Speichel und Holzresten, sodass ihre Nester eine papierartige Textur bekommen. 

Auch Ameisennester nehmen skurrile Formen an und können die Gestalt eines lehmigen Labyrinthes annehmen. 

Vor einiger Zeit habe ich ein Nest im Garten gefunden, es ist erstaunlich stabil konstruiert. Welchem Vogel es gehörte, ist mir nicht bekannt. 

Dieses Nest jedoch ist ein Menschen gemachtes - mit Nadel und Faden verband ich duftende Kräuter wie Thymian, grobe Grashalme wurden hineingeflochten und eine kleine gefundene Eierschale eines Singvogels in seine Mitte platziert. Ich musste feststellen, wie geschickt ein Vogelschnabel sein kann, während ich mich mit aller Kraft und der Nadel abmühte.

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Eat Art Ausstellung in Stuttgart

"Die Küche nicht nur als Labor, sondern als kreativer und sozialer Produktionsort (...)"

"Vom Essen in der Kunst" heißt die neue Ausstellung in Stuttgart, die von dort vom 18. September 2010 bis 9. Januar 2011 zu sehen sein wird. Sie entstand in enger Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Düsseldorf, die "Eating the universe - vom Essen in der Kunst" gezeigt hatten. Es werden u.a. Pioniere der Eat-Art wie Daniel Spoerri und seine "Fallenbilder", aber auch Dieter Roths dem Prozess des Zerfalls unterliegende Werke gezeigt, aber auch zeitgenössische Eat-Art Künstler, wie Sonja Alhäuser, die Schokolade, Marzipan und anderen süßen Materialien arbeitet.

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Kochkunstgeschichte Teil 1

Die Geschichte der Kochkunst und das Thema Essen in der Kunst

Von den ersten Anfängen der Menschheit – Vom Fressen zum Essen

Kuh Kopie Kopie Kopie

Schon seid einer Weile beschäftigt mich die Geschichte der Kochkunst – also die Geschichte einer Art zu Kochen, die über die normale Nahrungsaufnahme hinaus geht. Dieses Hinausgehen bedeutet Genuss – eine ästhetische Wahrnehmung- und ist mit dem Konsum von Kunst verwandt.  Diese Kunst kann mit allen Sinnen verstanden werden, das Auge sieht die Speisen (isst mit), die Zunge schmeckt die Speisen, wobei die Nase sie tatkräftig unterstützt und die Aromen aufnimmt, die Zunge als Haut begreift die haptischen Oberflächen und Qualitäten der Nahrung, umrundet sie und kaut, die Geräusche der Nahrungsaufnahme dringen in unser Ohr. Wer also Kochen im Sinne einer Kunst betreibt, der ist ein wahrer Sinnendompteur.

Am Anfang stand das Jagen und Sammeln, das Jagen war dem Manne, das Sammeln mehr der Frau eigen. Gleichzeitig mit der Herstellung von leichter verdaulicher Nahrung durch Kochen, entwickelte der Mensch Werkzeuge, um die vorhandenen Ressourcen verarbeiten zu können. Der damalige Mensch hatte vielleicht die harte Schale einer Muschel, eines Krebses oder sogar einer Schildkröte vor sich oder eine teuflische Nuss, die nicht aufgehen wollte, um an sein süßes Innere zu gelangen. Die Zähne reichten nicht aus, der Rest der Geschichte ist selbstverständlich und kann bei Affen, bei Raben und sogar anderen Tieren ebenfalls beobachtet werden. Diese beiden Faktoren – die Herstellung von Werkzeugen und die Verarbeitung von Ressourcen- finden sich auch in der „Kunst“ (ein Wort für Kunst gab es damals noch nicht und die Bedeutung, wie wir sie heute kennen, bildete sich erst später heraus) dieser Zeit wieder: Herstellung von geeigneten Werkzeugen, um Erden, Ocker und auch Kohle mit Blut oder Milch, aber auch schon mit Pflanzenharzen als Bindemittel zu einer Farbe zu verarbeiten, die sie auf die Höhlenwände auftrugen. Mit den Händen, jedoch auch schon mit Pinseln oder durch Spucken der Farbe, gestalteten sie die Wände.

Der Nutzen dieser Bilder wird unterschiedlich gedeutet, sie thematisieren vor allem das Jagen, teilweise finden sich auch Fruchtbarkeitssymbole in den Höhlen. Man spricht den Bildern einen Jagdzauber zu. Durch das Malen, sollte das Jagen begünstigt werden. Die Magie lag selbst im Abbilden dieser Tiere. Sie stellte eine Emanation dieses Wesens dar, dass man auf diese Weise „beherrschen“ oder „herbeirufen“ konnte, bzw. seine begünstigende Symbolik. Nachdem dieser Vorgang des Malens beendet ist, ist auch der Jagdzauber beendet. Für mich stellt dies eine Art steinzeitliche Form der Performancekunst dar.  Die Höhlenkunst also und ihr Zauber waren also schon so etwas wie eine „Ernährungskunst“. (vgl. dazu  Michel Lorblanchet: „Höhlenmalerei“)

 

Schädel 2

 

Weitere Hinweise für diese angesprochene Vorstellung der Magie war wahrscheinlich nicht nur auf das Malen der Tiere beschränkt. Auch fand man Tiertonfiguren unter Rinderknochen, die mit einer Feuersteinklinge rituell geschlachtet worden waren. Fruchtbarkeitsgöttinen aus Ton wurden in Getreidebehältern aufbewahrt und sollten so auch eine positive Wirkung auf das Essen, bzw. auf die nächste Ernte haben.

Wie die Kunst wandelt sich aber auch das Essverhalten der Menschen…. Fortsetzung folgt !