Über Cocooning und sogenannte „Einsiedlerkrebse“

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Cocooning 

Was heißt eigentlich „Cocooning“?

Höhlen waren wahrscheinlich der erste Rückzugsort der Menschheit. Die Höhle bot Schutz vor dem Wetter und Wärme. In ihr konnte man sich geborgen fühlen.  Dieses Gefühl der Geborgenheit begleitet uns auch noch heute, wenn wir darüber nachdenken, wie wir uns einrichten.  Was mit „Cocooning“ bezeichnet wird, drückt sicher die stille Sehnsucht nach einem sicheren, warmen Daheim aus. Auch das Insekt, das sich in seinen Kokon hüllt, sucht darin Schutz und Sicherheit, daher wurde das Wort Kokon Stellvertreter für ein gesellschaftliches Phänomen.

Ein Individuum grenzt sich von der Masse aus, schafft sich sein eigenes kleines Reich und verlässt dieses nur selten. Dieses selbst geschaffene Paradies  muss daher Gemütlichkeit ausstrahlen. Denn es ist der Ort, der am meisten von jener Person aufgesucht wird. 

Nomade und Sesshaftigkeit

Ich persönlich betrachte hierbei einmal zwei unterschiedliche Tendenzen: einerseits den Nomaden, der sich nur auf Zeit auf ein Heim einlässt oder sogar den Drang verspürt, dieses oft zu wechseln und den Sesshaften, der sich für eine lange Zeit an einen spezifischen Ort niederlässt. Jeder dieser zwei Ausprägungen hat andere Anforderungen an sein daheim.

Der Nomade braucht eine praktische Unterkunft, die er jederzeit abbauen und wieder aufstellen kann. Wenige persönliche Gegenstände, die ihren Zweck erfüllen, die eventuell jedoch von großem Wert für den Nomaden sind. Auf der anderen Seite ist der Sesshafte Kokonbauer damit beschäftigt, sich in seiner Zeitkapsel einzurichten. Er errichtet sich im schlimmsten Fall sein persönliches Mausoleum – verstaubter Tinnef hinter Glasvitrinen oder gesammelte Naturalien, die an ein Kuriositätenkabinett erinnern.

Wahrscheinlich kann sich jeder in diese Situation hinein denken. Es gibt Gegenstände, an denen hängen wir mehr, als an anderen. In manchen von diesen stecken Erinnerungen, die wir verloren glauben, wenn wir den Gegenstand nicht mehr besäßen.  Ich stelle außerdem fest, dass man mit der Zeit einen eigenen Geschmack entwickelt. Man tendiert wiederholt zu gleichen Farben, Texturen und Formen. 

Oftmals ist es ein eklektischer Mix aus verschiedenen Epochen, Abnutzungsgraden, Schönem und Hässlichem oder unterschiedlicher Materialien – weich und hart, rund oder kantig – die unser Heim persönlich und interessant machen.

„No Style“? 

Hat jemand keinen Stil, wenn die allseits beliebte Schrankwand im Wohnzimmer steht? Wird Eiche rustikal wieder trendy und sogar von Bloggern geschätzt (Marmor und Kupfer gab es ja schon!)? Darf man eine Eckbank in die Küche stellen? Werden folgende Generationen über unseren Geschmack schmunzeln?  Vielleicht wird erneut Funktionalität über Aussehen siegen, doch es ist zu beobachten, dass wir individueller denn je sein wollen und dies auch in unseren Einrichtung zeigen möchten.