Über den Perfektionismus?

Der hemmende Perfektionismus ist eine widerliche und sehr anstrengende Krankheit. Er veranlasst, dass der Mensch trotz Ehrgeiz, träge, unausgegoren und müde wird. Leider hilft kein Mittel der Welt ihn aufzuhalten, oder etwa doch?

Einmal von ihm betroffen, ist es schwer sich von ihm zu lösen – die einzige Möglichkeit ist es, ihn kurz auszuschalten und sich klar zu machen, was man will.

Kochen ist für mich eine sehr entspannende Beschäftigung, im Alltag bleibt da nicht immer Zeit für Perfektionismus, da muss es gut, schnell und einfach sein. Das heißt natürlich nicht, dass diese Rezepte nicht die gleiche Berechtigung wie andere haben, die erheblich kreativer, ästhetischer und zeitraubender sind. Sie kennzeichnet meistens ein Geschmack, der begleitet ist von einem warmen, liebenden Gefühl.

Oftmals gibt es Tage, an denen möchte ich unzählige Rezepte ausprobieren und weiß am Ende nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Wie werde ich präsentieren, was für Gemüse kommt rein, usw. Auf die gleiche Art und Weise geht es mir mit dem Zeichnen. Und am Ende bleibt man doch bei einem weißen Papier oder ein paar Strichen – Schade.

Einfacher ist deswegen mich in eine Ordnung zu zwängen, die es mir erleichtern soll, meine Ideen zu sortieren und zu katalysieren. Dieser Blog sollte einer dieser Orte dafür sein. Im nicht virtuellen Leben ist es mein kleines blaues Buch, das mittlerweile überquillt und hoffentlich bald ersetzt wird durch ein weiteres blaues Buch. In ihm bewahre ich ausgeschnittene Zeitschriftartikel, klebe Fotos und gepresstes ein, mache kleine Collagen, fertige Skizzen und das alles ohne jeglichen Perfektionismus, egal, wie die Schrift aussieht, egal, was es ist. Manchmal mit Datum versehen, manchmal ohne. Es macht Spaß in diesem Chaos zu lesen und sich wieder neue Bemerkungen an die Seite, am unteren Blattrand oder einfach mittendrin zu machen. Gerade wegen dem fehlenden Perfektionismus habe ich in diesem Buch bis jetzt immer mein größtes “Kunstwerk” gesehen, denn in ihm schlummern Prototypen und Dinge, die noch gar nicht realisiert wurden, weil sie zu aufwendig oder gar nicht umzusetzen sind.

Daher ist die Vorstellung, hier ab und zu Artikel zu erweitern und zu verbessern, eine sehr reizvolle. Außerdem kann der Leser so auch noch einmal die verschiedenen Artikel auf Neuerungen durchforsten. Um jetzt endlich mal sowas wie eine Ordnung in mein Kopfchaos zu bringen, bot der Film Julie&Julia mit eine interessante Idee (im übrigen ist der Film etwas für alle, die gerne kochen, lachen und vielleicht auch mal einen Blog schreiben wollen). Ich mache mir eine To-do-Liste und versuche sie bis Ende 2011 abzuarbeiten:

– Einen lebendigen Hummer in Frankreich kaufen und ihn zubereiten

– Einen eigenen Cocktail kreieren

– Ein Dessert erfinden, in dem etwas geräuchert wird (wird das wirklich schmecken?)

– Ein süßes Sushi zubereiten (d.h. ein Dessert machen, das wie Sushi aussieht)

– Mehr über die Ästhetik der japanischen Küche herausfinden.

– Ein Drei-Gänge-Menü kochen.

Es müsste zu schaffen sein! Ich werde euch auf dem laufenden halten.

Nachtrag 2015: Den letzten Satz müsste ich eigentlich wieder sofort aus dem Beitrag entfernen, immerhin habe ich wenige dieser Punkte wirklich erfüllt. Zum ersten der Hummer: Ja, einen lebendigen Flusskrebs ins kochende Wasser schmeißen, wird sicher nicht als Hummer zählen. Außerdem sind sicher einige Leser bei dem Gedanken schon ein wenig angeekelt. Den Flusskrebs musste ich sogar vorher mit einer frischen Zahnbürste reinigen, da er ein wenig modrig und schlammig war. Der Kleine zappelte und nach dem Kochen landete er in meinem Magen: Danke, kleiner Flusskrebs, dass ich dich essen durfte – es musste dann zum Glück auch kein anderer deiner Artgenossen in meinem Kochtopf landen.

Punkt 2 : Einen eigenen Cocktail kreieren – überlasse ich wohl doch besser den Profis, aber immerhin war ich tatsächlich schon etwas einfallsreich. Besonders das hantieren mit fruchtigen Sorbets und Granités hat es mir in diesem Zusammenhang angetan, z.B. schmeckt Cherimoya als Eis vorzüglich in einem fruchtigen Cocktail oder ein Grapefruitgranité, das ich mir auch gut als Grundlage für einen Eistee vorstellen könnte.

Punkt 3: Ist für mich immer noch der reizvollste, ich habe sogar schon eine gewisse Idee mit angeflämmten Vanilleschoten zu experimentieren oder mit einem sehr rauchigen Whiskey in einem Schokoladentrüffel, hm….

Punkt 4: Ist  theoretisch in meinem Kopf voll durchdacht, nur noch nie auf einem Teller verewigt worden. Der Künstler übt sich eben in Geduld.

Punkt 5 : Ich stelle immer wieder fest, dass es schwierig ist etwas über eine andere Kultur zu erfahren, wenn man noch nie diese Kultur betreten hat. Es gibt hier eben viele Anknüpfspunkte zum Thema Kochen als Kunstform, die mich brennend interessieren würden.

Punkt 6 jedoch habe ich schon öfters wiederholt. Gerne auch mit Freunden und Familie. Am liebsten mache ich jedoch die Vorspeisen und Desserts. Vielleicht sollte ich mir vornehmen ein 5- Gänge Menü zu kochen. Wäre das machbar?

Bleiben Sie dran , Fortsetzung folgt …